Entführung aus dem Serail

Das Wochenende gestaltete sich bei uns recht ereignislos. Es gab nur zwei Dinge, die Erwähnung verdient haben. So waren wir am Sonntag morgen wieder zur Reihe Klassik im Kino, diesmal ohne Kind, weil selbes ja mit den Großeltern an der Ostsee weilt. Das war für uns alle von Vorteil, denn so konnten wir uns voll auf den Kunstgenuss konzentrieren. Und das war nötig, denn die Vorstellung dauerte über zweieinhalb Stunden.

Entführung aus dem Serail, Quelle: Playbill

Es handelte sich bei dem Stück um Die Entführung aus dem Serail von Mozart unter der Leitung von Karl Böhm. Letzterer hatte mit dieser Aufführung von 1980 seinen letzten Auftritt und mir kam der Gedanke, dass es bei der gegenwärtigen Lage der Rentenversicherungen uns irgendwann wohl allen mal so geht. Eigentlich hätte der Herr Böhm 1980 sicher noch regulär in Rente gehen können, die bei ihm bereits 1959 fällig gewesen wäre. Aber der Heesters ist ja auch nicht totzukriegen. Oh, ich werde despektierlich und schweife ab, deshalb zurück zum Thema.

Die Oper selbst mag ich schon allein deshalb, weil die weibliche Hauptdarstellerin Konstanze heißt. Ansonsten sind aber keine so einprägsamen Meldodien enthalten, wie z.B. in der Zauberflöte, die wir kürzlich in unserem hiesigen Theater gesehen haben.

Die künstlerische Leistung war trotz der minimalistischen Leitung durch Herrn Böhm (wenn ich da an unseren jungen und dynamischen GMD im hiesigen Theater denke – kein Vergleich) über jeden Verdacht erhaben. Sowohl Orchester als auch Sänger beherrschten ihren Part fehlerfrei und in hoher Qualität. Das Bühnenbild war dagegen recht sparsam, wenn auch klassisch. Ich hätte es mir jedenfalls im Münchner Nationaltheater aber üppiger vorgestellt. Immerhin, es wurde auf dem Flyer auch so angekündigt. Somit war die Handlung jedoch recht langatmig und ich konnte einige Teile der Musik mit geschlossenen Augen genießen, ohne irgendwas zu verpassen. Einzig der Diener Osmin sorgte für etwas Pepp durch komödiantische Einlagen.

Insgesamt kam zur Atmosphäre noch hinzu, dass es im Kino zu kalt war. Trotzdem war es nett, zumal der Preis mit 3,50 Euro pro Person moderat war.

Sommergewitter

Wie angekündigt hatte ich am Freitag versucht, die für mich neue Strecke um Brand-Erbisdorf herum mit einem westlichen Schlenker über Memmendorf und Hartha zu beenden. Es fing auch alles ganz gut an und ich begann, mir „Normzeiten“ für diese Strecken zu merken:

– Zug, Kreisverkehr: Ca. 20 Minuten
– Zugspitze: ca. 30 Minuten
– Erzengler: ca. 45 Minuten
– Langenau: ca. 60 Minuten

Solche Zeiten sind sinnvoll, wenn ich die Strecken plane und nicht genügend Zeit für die volle Tour habe. An den genannten Stellen gibt es dann immer Abkürzungen, obwohl diese relativ sind, weil sie wiederum beliebig verlängerbar sind. Vom Kreisverkehr in Zug kann ich in einer Viertelstunde zurück sein, nicht, weil es eine kürzere Strecke gibt, sondern weil’s bergab geht. Aber ich kann auch eine schöne Einstundentour draus machen. Insofern nutzen die Zeiten wiederum auch nicht so viel.

Außerdem ging mir durch den Kopf, dass das Erfassen ab Langenau wegen zunehmender Ermüdung fragwürdig wird. Also genoss ich lieber die Landschaft und beobachtete das Wetter, das relativ schwülwarm und ein wenig bewölkt, aber sonst gar nicht mal so schlecht war. Und so fuhr ich dahin und merkte, dass mein Trainingszustand gar nicht schlecht war, denn auch nach 90 Minuten, ich war inzwischen irgendwo zwischen Langenau und Kirchbach, spürte ich noch keine nennenswerte Ermüdung. Und weil das Wetter hielt, entschloss ich mich, den o.g. Schlenker zu fahren, denn in Kirchbach kommt die entscheidende Kreuzung.

Pferde, Quelle: Stock Xchng

Durch Memmendorf hindurch war auch alles noch im grünen Bereich. Dann ging es entlang einer Pferdekoppel einen Feldweg aufwärts in Richtung Hartha. Dort tropfte es und erst dachte ich, dass es von den Pferden kommt. Aber die waren zu weit weg, also nahm ich an, dass mir der Schweiß vom Kopf auf den Arm tropft. Aber auch das konnte ich nach genauer Prüfung nicht bestätigen. In diesem Augenblick grummelte es und ich sah mich um. Hinter mir hatte sich heimlich still und leise eine Gewitterwolke aufgetürmt, während in Fahrtrichtung blauer Himmel war und die Sonne schien.

Aufziehendes Gewitter, Quelle: Stock Xchng„Halb so schlimm“, dachte ich mir, denn ich fuhr ja in die richtige Richtung und stieg kräftig in die Pedale. Zunächst blieb es auch bei den zwei Tropfen, und ein Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit, weil ich offenbar ungeschoren davongekomme. Doch man soll sich ja nicht zu früh freuen, denn just in diesem Augenblick sandte die Wolke wieder ein paar Tropfen, die mich trafen. „Naja, auch gut“, dachte ich jetzt, denn ein paar Tropfen sind ja ganz angenehm. Wenn ich mich jetzt beeile, schaffe ich es bestimmt gut gekühlt bis nach Hause. Aber eigentlich war das schon das Schönreden der Verzweiflung. Denn gerade zwischen Memmendorf und Hartha gibt es keine Abkürzung. Dieses Gewitter ereilte mich genau an der Stelle, an der ich am Weitesten von zu Hause entfernt war.

Bis Hartha kam ich dann noch halbwegs gut durch und schöpfte wieder Hoffnung, doch dahinter geht ein ähnlicher Weg wie bisher hinauf zur alten Schäferei von Wingendorf. Und an diesem Hang erwischte mich dann ein leichter Regenschauer. Ich strampelte, was das Zeug hält und staunte, wie schnell ich den Berg hoch schaffte. Und ich hatte sogar noch ein bisschen Mitleid mit den Bauern, die unverdrossen ihr Feld abernteten.

In Wingendorf hatte mich die Regenfront endlich eingeholt und ich gab meinem Stahlross die Sporen, hatte aber gleichzeitig Angst. Einerseits befürchtete ich, irgendwie zu rutschen und zu stürzen, denn alles war jetzt glitschig. Außerdem war es noch ein Stück bis heim und ich hatte keine Lust, vom Blitz getroffen zu werden. Glücklicherweise gab es jetzt kaum noch Stellen, wo freies Feld war.

Hinter Wingendorf ging es den steilen Berg hinauf Richtung Wegefahrth. Da es ein Waldstück war, stieg ich ab und schob, einerseits, weil durch das dicke Blattwerk noch kein Regen kam und ich somit länger im Trockenen war, als wenn ich gefahren wäre, andererseits, weil ich mit meinen Kräften am Ende war. Ich erwog sogar, mich hier irgendwo unterzustellen und das Gewitter einfach abzuwarten. Zeit hatte ich eigentlich noch und Jens war beim Betriebsvergnügen. Aber ein Blick nach hinten zeigte mir, dass das keine so gute Idee wäre. Hinter mir folgte ein Schweif von irgendwelchen Viechern, MÃœcken, Fliegen, was weiß ich, die in mir ein gefundenes Fressen sahen. Da ich nicht die Absicht hatte, ihnen diesen Gefallen zu tun, schob ich schneller und auf der Bergkuppe schwang ich mich wieder auf’s Rad und raste so schnell ich mich traute nach Wegefahrth. Von dort ging es dann eine Allee entlang nach Kleinschirma, so dass ich ein wenig Schutz vorm Wetter hatte. Und immer wieder schöpfte ich Hoffnung, dass ich nun endlich einen kleinen Vorsprung erarbeitet hatte und jedesmal sagte mir das Gewitter wie in der Geschichte von Hase und Igel: „Ich bin schon da!“

Am Ende habe ich es dann doch geschafft. In Freiberg waren die straßen nass, aber es regnete nicht mehr. Da bin ich dann in eine Dönterbude gefahren, habe mir einen Döner gekauft und zum Trost zu Hause gegessen.

Insgesamt bin ich aber froh, dass es mal geregnet hat, weil die Natur es natürlich gebraucht hat. Und das Gewitter grummelte noch den ganzen Abend herum, hatte aber, soweit ich weiß, keine schlimme Folgen.

Südumfahrung

Gestern war es nicht so heiß, so dass es sich wieder anbot, eine schöne Radtour zu machen. Ich beschloss, die Route von vorgestern in optimierter und verlängerter Form zu wiederholen.

Somit bin ich nicht über den Forstweg, sondern die Silberhofstraße aus Freiberg rausgefahren. Dazu bin ich am Hauptgebäude der Uni über die Burg- und Erbische Straße in die Silberhofstraße gefahren.

Hauptgebäude BAF, Quelle: Wikipedia

Am Ende der Silberhofstraße ging diese in eine Fahrradstraße über. Beschämenderweise muss ich gestehen, dass ich, obwohl ich schon über zehn Jahre in Freiberg wohne, nicht gewußt hatte, dass diese Fahrradstraße überhaupt existiert. Diese führte in relativ netter Landschaft hinter dem Wacker-Werk vorbei. Ich bin vor einiger Zeit mal über die Berthelsdorfer Straße direkt an diesem Werk vorbeigefahren, doch die Fahrradstraße ist viel schöner. Diese kam dann kurz vor dem Stadteil Zug auf der Berthelsdorfer Straße raus.

In Zug gings dann rechts ab den Berg hoch. Dieser Anstieg hatte es in sich, war aber noch zu schaffen. Oben angelangt, führte dann ein Weg an einem Kunstgraben hinter der Siedlung mit Einfamilienhäusern lang. Das war ebenfalls eine schönere Strecke als die, die ich Dienstag gefahren bin und erinnerte mich wieder an die Levadas, die auf Madeira angenehme Wanderungen ermöglichen, weil der Höhenunterschied nur gering ist. Auch diese Strecke hatte kaum Steigung.

Kunstgraben in Zug, Quelle: Wikipedia

Dieser Weg endete dann am Bartholomäusschacht kurz vor der Zugspitze.

Bartholomäusschacht, Quelle: WikipediaZugspitze Brand-Erbisdorf

Danach ging es dann wieder östlich an Brand-Erbisdorf vorbei, bevor ich dann nach Langenau fuhr. In Langenau war ich neugierig, weil es dort einen Teich gab, der auch als Badeteich dient. Ich wollte mal gucken, wie das da so ist und habe bei der Gelegenheit gleich noch eine Abkürzung entdeckt.

Kirche in Langenau, Quelle: Wikipedia

In Langenau änderte sich dann auch langsam der Vorortcharakter und es wurde dörflicher. Mir persönlich gefällt das dann besser, weil es immer so ein Urlaubsgefühl in mir hervorruft. Und hier kommt ja dann auch die Straße nach Oberreichenbach, das sehr dörflich ist, obwohl es auch ein Stadteil von Brand-Erbisdorf ist.

Auch die Straße zwischen Langenau und Oberreichenbach ist recht nett. Sie führt auf einem Kamm entlang und ermöglicht wunderbare Ausblicke in die Landschaft, bevor sie durch ein Waldgebiet führt.

Im Gegensatz zu Dienstag bin ich in Oberreichenbach nicht nach links nach Linda, sondern nach rechts nach Kirchbach abgebogen. Es war noch so schönes Wetter und ich hatte auch noch Zeit. Auf der Straße nach Kirchbach, die wiederum auf einem Kamm mit toller Sicht entlangführte, fuhr ich ziemlich genau auf die untergehende Sonne zu. Diese war jedoch von einer riesigen Wolke verdeckt. Dadurch erschien die Wolke in einem rötlichen Strahlenkranz und auch der Horizont war rot gefärbt. Ein wunderbares Bild, bei dem ich mir dachte, dass ich die Atmosphäre nie hätte einfangen können, selbst wenn ich einen Fotoapparat mitgehabt und alles aufs Bild gepasst hätte.

Hinter Kirchbach musste ich dann etwa 300 m auf der B173 fahren und prompt überholten mich gefühlte 1000 Autos, bevor ich in einen kleinen Weg nach Frankenstein abbiegen konnte.

Blick auf Frankenstein, Quelle: Wikipedia

Frankenstein ist ein netter kleiner Ort und um diese Zeit, es war fast neun, ruhig und friedlich. Hinter der Kirche ging es dann leider wieder steil hinauf nach Wingendorf. Die Straße nach Wingendorf verlief ebenfalls auf einem Kamm, parallel zu einer Straße, die ich sonst als Standardstrecke im Tal am Kemnitzbach entlang fahre. Zu selbigen ging’s dann runter, und um nach Wegefarth zu kommen, musste ich wieder den nächsten Berg steil bergauf fahren. Hier hatte ich ganz schön zu keuchen, aber tapfer wie ich bin, habe ich’s geschafft.

Viadukt in Wegefarth, Quelle: Wikipedia

Schließlich war ich wieder auf meiner Lieblingsrücktour über Kleinschirma und durch den Stadtwald nach Hause. Die Strecke von Wegefahrth nach Kleinschirma erinnert mich immer an einen Urlaub in Burgund. Auch dort war die Straße so einsam und verlassen und am Ortsrand gab es ein Häuschen, dass unserer damaligen Herberge ähnelt. Vielleicht auch nicht, aber die Stimmung ist so, die untergehende Sonne, Ruhe und Frieden. Einfach nur schön.

Nach der Runde war ich ziemlich geschafft, aber vielleicht fahre ich die Strecke heute noch einmal und ergänze noch den Schlenker über Memmendorf und Hartha. Mal sehen, was das Wetter sagt. Dann habe ich mir das Wochenende verdient.

Rüffel

Gerade habe ich eine Standpauke vom Chef bekommen. Unsere SpionageStabilitätsabteilung möchte wieder eine neue Überwachung ausrollen und jeder muss mitmachen. Egal, wie sinnvoll das ist. Dabei haben die fachlich keine Ahnung, von dem, was wir machen. Dennoch maßen sie sich an, uns vorzuschreiben, wie wir zu arbeiten haben.

Ich habe mir erlaubt, in diesem Zusammenhang ein paar Fragen zu stellen. Das wurde dann als Eskalation aufgefasst und auch Chefchen fühlte sich auf den Schlips getreten.

Chef schimpft mit Mitarbeiterin, Quelle: Stock XChng

Nach etwa einer Stunde Disput sind wir jetzt auseinandergegangen. Ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass das so nicht funktioniert. Jetzt ist er am Zuge, um die Wogen wieder zu glätten.

Noch zweieinhalb Arbeitstage, dann habe ich Urlaub. Schnauze voll!

Schaulaufen

Gestern abend habe ich es mir mit Jens endlich mal gemütlich gemacht.

Es fing damit an, dass wir uns noch einen schönen Abendspaziergang an der Mulde gegönnt haben. Wir sind zu dem kleinen Parkplatz in Conradsdorf gefahren und von dort aus auf der einen Seite der Mulde vorbei an der Fuchsmühle bis Halsbach gewandert und auf der anderen Muldenseite zurück.

alte Muldenbrücke in Conradsdorf, Quelle: Wikipedia

Danach, inzwischen war es schon nach acht, haben wir essen gemacht (Nudelsalat mit Bratwurst) und haben Nachrichten geguckt. Als wir dann mit Abwasch und selber Wasch fertig waren, haben wir noch einmal das Video vom Schaulaufen der olympischen Spiele angesehen. Zumindest teilweise, bei dem Wetter genau das Richtige.

Meryl Davis & Charlie White, Vizeolympiasieger und -weltmeister im Eistanzen 2010, Quelle: Wikipedia