Technik, die begeistert …

… oder so ähnlich.

Eigentlich hatte ich es mir ganz entspannend vorgestellt, die Dienstreise nach Österreich vor drei Wochen. Frank hatte sich bereit erklärt, mich zu begleiten. Ich ging davon aus, dass er gerne auch den Fahrer spielt. Männer mögen das, wollen ihre Fahrkünste zeigen und neue Autos ausprobieren. Ich wollte ihn unterwegs natürlich ganz nebenbei bezüglich seiner neuen Liebe mit Ina aushorchen, an der ich nicht ganz unbeteiligt bin.

Leider wurde er dann krank und ich musste die Strecke allein fahren. Mehr als siebenhundert Kilometer für eine Strecke. Und das mit einem fremden Auto. Aus versicherungstechnischen Gründen müssen wir einen Mietwagen für Dienstreisen nehmen. Und so musste ich mich mit einer A-Klasse von Mercedes anfreunden.

Privat käme für mich aus grundsätzlichen Erwägungen ja weder ein Mercedes noch ein BMW in Frage, aber was soll ich machen? Ich setze mich also in die Karre rein und bin froh, dass die Rückspiegel und die Sitzhöhe passen, so dass ich nichts einstellen muss. Also Zündung an und los.

Auf den wenigen Kilometern bis zur Autobahn habe ich mich dann an das Fahrverhalten des Autos gewöhnt – glaube ich zumindest. Das Wetter ist schön, die Straßen halbwegs frei. Das Auto hat auch einen sechsten Gang, es fährt ruhig und ich bin fast geneigt, mich damit anzufreunden. Nach etwa zwei Stunden fahre ich, wie es auch empfohlen wird, auf einen Parkplatz und mache Pause. Mir ist eingefallen, dass ich ja das eingebaute Navi ausprobieren könnte. Ich programmiere also die Zieladresse ein und möchte mich überraschen lassen. Noch ist es weit und falls es beim ersten Mal nicht klappt, kann ich es noch einmal probieren.

Als ich weiter fahren möchte, habe ich ein Problem. Wo zum Teufel befindet sich nur der Rückwärtsgang? Nein, so blöd, wie der geneigte Leser denkt, bin ich nicht. Natürlich sehe ich auf dem Ganghebel, dass der links unten neben dem zweiten Gang ist. Aber wie bekomme ich den eingelegt? Fieberhaft rühre ich in dem Getriebe rum, jedesmal möchte das Auto vorwärts fahren. Muss ich einen Mann bitten, mir zu zeigen, wie das geht? Nein, meine Schwester hat auch so ein Auto und kann das fahren. Also, noch ein bisschen gerührt, und schwupp, schon fährt’s rückwärts. Ich hätte mir merken sollen, wie ich den Gang reinbekommen habe, aber beim nächsten Mal klappt’s bestimmt besser.

Nicht geklappt hat dagegen erwartungsgemäß meine Programmierung mit dem Navi. Statt mir den Weg vorzugeben zeigt es mir die Himmelsrichtung, die ich gerade fahre, an. Das ist teilweise ziemlich verwirrend.

Das nächste Problem zeigt sich dann kurz hinter München. In Österreich brauche ich ja eine Vignette. Also ran an die Tankstelle und eine gekauft. Und wenn ich schon mal da bin, kann ich auch gleich noch tanken. Doch verflixt, wie geht denn jetzt der blöde Tankdeckel auf. Nicht so, wie bei meinem Auto. Also ist wieder das Studium der Anleitung gefragt. Es dauert eine Weile, bis ich die entsprechenden Seiten gefunden habe, dann steht da, dass es doch so ähnlich) geht, wie bei meinem Auto. Also wieder raus, am Tankdeckel rumgefummelt und – siehe da – es geht tatsächlich. Puuhh, wieder ein Problem gelöst.

Da kann ich mich dann auch gleich noch dem Problem mit dem Navi widmen. Ich habe keine Lust, die dicke Anleitung zu lesen, programmiere alles noch mal ein. Und nun funktioniert auch das. Toll. Langsam macht es vielleicht nicht unbedingt Spaß, aber ich fange an, mich mit dem Auto und meiner Situation zu versöhnen.

Dann kommt Österreich. Ausland. Was gelten denn da vor Schreck für Verkehrsregeln? Muss ich mit Licht fahren oder nicht? Wie schnell darf ich fahren? Keine Ahnung. Ich hätte mich vorher informieren sollen. Aber eigentlich sollte ja Frank fahren. Mist. Zur Sicherheit schalte ich das Licht an und fahre, wie angegeben, Tempo hundert. Und bin damit die absolute Verkehrsbremse. Sogar LKW’s überholen mich. Etwa eine Stunde hinter Salzburg gibt es dann die Tempo-Hundert-Schilder nicht mehr. Ich wage mich jetzt bis 130 km/h zu fahren.

Aber es wäre ja zu schön, wenn alles so einfach wäre. Ein paar kleine Tücken bleiben schon noch. Irgendwie ist meine Scheibe dreckig. Wo ist aber der Scheibenwischer? Alle Autos, die ich bisher kannte, haben rechts einen Hebel für die Scheibenwischer. Diese Kiste aber nicht. Der Hebel an der linken Seite ist aber für den Blinker, das weiß ich nun sicher. Aber es sind ja noch andere Bewegungen mit dem Hebel möglich, also wird das ausprobiert. Keine Ahnung, was die anderen Autos denken, aber nun weiß ich, wie die Lichthupe funktioniert. Und der Heckscheibenwischer tut’s auch. Aber wo ist denn der Schalter für den blöden Frontscheibenwischer? Verdammt. Also rauf auf den Parkplatz und in Ruhe suchen.

Bei der Gelegenheit habe ich dann, schlau wie ich bin, auch noch den Lichtschalter untersucht und festgestellt, dass ich anscheinend die ganze Zeit mit Standlicht, auf keinen Fall jedoch mit Abblendlicht, gefahren bin. Nun gut. Nun weiß ich auch das.

Schließlich, inzwischen ist es dunkel und ich beglückwünsche mich zu meinem Versuch, das Navi auszuprobieren, komme ich dem Ziel näher. Das Navi leitet mich anders, als ich gefahren wäre und plötzlich meint es: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“. Klasse! Nur sehe ich kein Hotel. Aber ein Parkhaus. Frank sagte, man muss nur ins Parkhaus fahren, dort gibt es einen Durchgang zum Hotel. Also rein ins Parkhaus und tatsächlich gibt es Hotelparkplätze. Ich bin erleichtert und erschöpft. Beim Abendspaziergang stelle ich dann fest, dass das Navi recht hatte. Ich stand so nah vor dem Hotel, dass ich den Schriftzug nicht erkannt hatte. Aber Ende gut – alles gut.

Endlich

Wie schon des öfteren, bin ich auch diesmal, offenbar vor ca. fünf Wochen derartig in Arbeit abgesoffen, dass ich meinem lieben kleinen Tagebuch nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken konnte.

Doch es ist eigenartig. Endlich habe mich mich wieder mal etwas freigeschwommen, da habe ich eine innere Hemmschwelle. Eigentlich gibt es so viel zu berichten. Von den Winterferien, in denen Jan diesmal in Oberwiesenthal Fortschritte auf Skiern machte oder den Besuch von Freunden, die uns mal wieder besuchten. Wir waren im Ballett und haben meine Schwägerin in der Reha besucht. Ich könnte von meiner Dienstreise nach Österreich berichten, vom Geburtstag meines Vaters oder von den unangenehmen Magen-Darm-Infekten, die uns heimsuchten. Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Deshalb beschränke ich mich darauf, hier wieder ein Lebenszeichen zu hinterlassen, verbunden mit der Hoffnung, dass ich, obwohl ich wegen eines Projekts, dass ich leiten muss, demnächst wieder mehr Zeit für mein Tagebuch finde.