Rituale Folge 4: Privatkaffee

In dieser losen Folge schreibe ich über eigene Angewohnheiten sowie Angewohnheiten meiner Mitmenschen, die so eine Art Ritual geworden sind. Jeden Tag ist es der selbe Ablauf. Meist nervt es sogar. Aber es erzählt auch eine ganze Menge über uns und unsere Mitmenschen. In Folge 1 habe ich Beobachtungen zur Ortsumfahrung Kesselsdorf beschrieben und in Folge 2 unser Verhalten beim Telefonieren. In Folge 3 ging es aus gegebenen Anlass um olympische Rituale. In dieser Folge 4 wird es wieder persönlich, sehr persönlich.

Rituale im Liebesleben klingen zunächst einmal nach Routine, Langeweile, Einfallslosigkeit. Mag sein. Dennoch haben wir schon ewig so ein Ritual, und kommen damit ganz gut klar. Es begann während einer Schlechtwetterperiode in einem Urlaub. Man hat ja in einer Ferienwohnung bei Mistwetter nur eingeschränkte Möglichkeiten der Bespaßung. Nachdem man sämtliche Museen, Schwimmbäder etc. der Umgebung abgeklappert hat, bleibt einem nur noch ein gutes Buch oder die Glotze. Bei letzterem findet man häufig nicht seine Lieblingssender, sondern zappt sich so durch und guckt mehr oder weniger interessante Beiträge. Auf diese Weise sind wir z.B. mal auf DSDS gestoßen und können seitdem mitreden (auch wenn wir es seitdem nie wieder gesehen haben). Ich weiß nicht mehr, was wir in jenem Urlaub geguckt haben, auf alle Fälle wurde die Sendung durch Werbung unterbrochen, wo auch ein Spot zu Tchibos Privatkaffee lief.

Weder die Sendung noch die Werbung waren sonderlich aufregend, dafür dass, was mein Ehegemahl mit mir während diesen Werbespots begann. Ich konnte nur noch „Privatkaffee“ stöhnen, und genoss, was er tat.

Seitdem werden derartige Aktivitäten häufig mit dem Stichwort Privatkaffee eingeleitet und entwickeln sich dann weiter, mal ganz schnell zum Abschluss kommend, mal langweilig, aber auch wieder mal spannend und unvergesslich. Allerdings habe ich noch nie Privatkaffee getrunken.

Auslaufmodell

Bin ich ein Auslaufmodell? So jedenfalls fühlte ich mich, als ich heute in Sachsens größter Zeitung über eine Studie las, in der stand, dass sich nur noch 35 % der Deutschen als typisch deutsch fühlen. Ich hatte schon einmal in einem anderen Beitrag erklärt, dass ich mich als Deutsche fühle. Aber fühle ich mich auch als typisch deutsch?

typisch deutsch?

Da ergibt sich für mich die Frage:

Was ist typisch deutsch?

Laut Klischee sind Deutsche fleißig und pünktlich. Das trifft auch auf mich zu. Jedenfalls laut meiner Selbsteinschätzung. Oder ist das preußisch? Jedenfalls zähle ich dazu und bin offenbar ein Auslaufmodell.

Laut einer anderen Studie mögen die Deutschen Bratwurst und Sauerkraut. Jedenfalls aus amerikanischer Sicht. Ich persönlich mag ja Sauerkraut nicht, Bratwurst kann ich hingegen kaum widerstehen. Laut Selbsteinschätzung der Deutschen sind aber eher die Liebe zum Auto und zum Bier typisch deutsch. Nun ja, mein Auto ist ein Fortbewegungsmittel, ein Bierchen mag ich gelegentlich, aber eine Leidenschaft verbindet mich damit nicht.

Zusammenfassend ergibt sich also ein gespaltenes Bild. Von meinen Charaktereigenschaften bin ich typisch deutsch, von meinen Vorlieben nur zur Hälfte. Habe ich gar noch fremde Gene?

tpyisch deutsch, mit Beimischung

The same procedure as every year

Es ist wieder soweit. In diesem Jahr relativ spät, dafür aber kurzfristig: Teil 1 meines jährlichen Mitarbeitergespräches. Diesmal nicht mehr wie im letzten Jahr unter der Regie von Volker, sondern erstmals durch meinen neuen Chef Frank. Ein bisschen leid tat er mir ja, da ich ja seine Lebensgefährtin Ina nicht nur schon ewig kenne, sondern auch mit ihr zusammenarbeite. Und ich war auch neugierig, wie er sich aus der Affaire zog.

Mitarbeitergespräch

Natürlich ist das alles kein Spaß, sondern auf den Inhalt kommt es schon an. Er hat mich dann über den grünen Klee gelobt, dass es mir schon peinlich wurde und genau dass hat er als meine Schwäche mein Potential dargestellt: Ich soll nicht so bescheiden sein.

Ich gestehe, dass ich mich über das tolle Feedback gefreut habe. Nun kommt noch Teil 2 dieser Laberrunde. Dazu dann zu gegebener Zeit.

Alles muss seine Ordnung haben

Eins meiner Lieblingsthemen ist, wie für viele andere Leidensgenossen auch, die Steuererklärung. Jedes Jahr im Frühjahr beginnt dieser Wettlauf, um spätestens Ende Mai diese Erklärung abzugeben.

Danach beginnt das bange Warten auf den Bescheid. Zunächst findet man einen großen Briefumschlag mit den eingereichten Dokumenten, die zurück gegeben werden, im Briefkasten. Jetzt dauert es nur noch Wochen, bis der Bescheid kommt.

Steuererklärung

Jetzt war es so weit und wir haben den Bescheid bekommen. Und hier offenbart sich ein weiteres Ärgernis. Vor ein paar Jahren hatten wir schon einmal diesen déjà-vu-Effekt. Das Finanzamt schickte uns Korrekturen der Steuererklärung der letzten drei Jahre, weil sich wieder mal irgendein Gesetzt geändert hatte oder weil irgendein Gerichtsurteil gesprochen wurde. Innerhalb einer ziemlich kurzen Frist wurden wir zur Nachzahlung aufgefordert, weil irgendwelche Kinderbetreuungskosten falsch angerechnet wurden.

Auch diesmal fand sich im Brief vom Finanzamt ein „alter“ Bescheid. Nämlich von 2010. Glücklicherweise hatte sich nichts geändert. Mir wäre es lieber, wenn es einen Bescheid gibt, der dann auch Bestand hat, als wenn der über Jahre hinweg offen gehalten wird, immer mit dem Risiko einer nicht unerheblichen Nachzahlung.

Die Geister, die ich rief …

Eigentlich läuft alles Prima. Mein Projekt wurde ja im Sommer verlängert und erweitert und geht nun seinen Gang. Gemeinsam mit Ina nutze ich die Gelegenheit, eine Zusammenarbeit zwischen unserer Firma und ihrer Uni aufzubauen. Doch langsam wird’s mir unheimlich.

Seit September habe einen Werkstudenten. Das war schon länger angekündigt und ich hatte mich darauf eingestellt. Der ist auch gut, denn ich habe ihm einmal erklärt, was er machen muss und er macht … Manchmal fragt er, aber immer sehr berechtigte Fragen.

Quelle: Stock Xchng

Gestern nun stand noch ein junger Mann an meinem Platz. Nicht, dass ich was gegen junge Männer hätte, die was von mir wollen. Der möchte aber eine Doktorarbeit schreiben und ich soll ihn betreuen. Dieser Doktorand wurde während meines Urlaubs von Ina und meinem Chef, Frank, der gleichzeitig Inas Lebensgefährte ist, ausgesucht. Allerdings gab’s noch ein paar bürokratische Probleme, so dass ich hoffte, er würde nicht vor Oktober wirklich da sein.

Nun ist er da und ich muss mich kümmern. Ich habe ihm auch schon einen Platz und eine andere nette Betreuerin gesucht, doch die ist zur Zeit im Urlaub. So habe ich jetzt ein Gefolge von zwei dienstbaren Geistern, die ich mit Aufgaben versorgen muss. Sowas nennt man Luxusproblem.

Ich bin 35!

Ich liebe ja diese sinnlosen Psychotests. Jedenfalls, so lange sie ein mir genehmes Ergebnis ausspucken. Und dieser Test hier hat meine Erwartungen mal wieder erfüllt:

Wie alt sind Sie wirklich?

Wunderweib: Alterstest

Hier mein Ergebnis:

Punkte: 90 von 240

In unseren Dreißigern kommt es zu den großen Einschnitten und Veränderungen in unserem Leben. Oft gehen langjährige Freundschaften auseinander und neue entstehen. Die meisten von uns finden den Mann fürs Leben (oder zumindest für die Familienplanung), viele heiraten in dieser Dekade. Andere trennen sich von ihrem Partner, weil er eben doch nicht der Richtige ist, nicht der Vater ihrer Kinder werden will. Das liegt daran, dass wir in diesem Alter einen gesunden Egoismus leben. Wir spüren zum ersten Mal, dass wir älter werden („Ich kann nicht mehr so feiern wie früher“, „Plötzlich macht mir Schlafmangel was aus“), und ob wir es wollen oder nicht: Wir merken auch, dass unsere Uhr tickt. Wir stehen nun mal genau in der Mitte unseres Lebens, und die restlichen 50 Prozent wollen wir nicht sinnlos verstreichen lassen, sondern so nutzen, dass unsere Wünsche und Ziele in Erfüllung gehen. Sie tragen tief in sich das Wesen einer 35-Jährigen, weil Sie extrem darauf bedacht sind, dass es Ihnen gut geht . Sie wählen Ihre Freunde nicht mehr nach Masse aus, sondern nach Klasse. Sie verbiegen sich nicht , um anderen zu gefallen , sind wenig kompromissbereit. Und sind Sie Single, dann verlieren Sie allmählich die Lust an irgendwelchen kurzen Abenteuern oder One-Night-Stands und wünschen sich einen Mann, mit dem es wirklich lange hält. Unterbewusst sortieren Sie die Menschen in Ihrem Leben als, die Sie nicht vollends glücklich machen. Sie brauchen auch nicht immer Gesellschaft – Sie können auch allein die Zeit genießen. Ihr Umfeld bewundert Sie dafür, dass Sie so unabhängig sind, scheinbar immer genau wissen, was Sie wollen, und immer sagen, was Sie denken.
Das Schöne an Ihnen ist aber, dass Sie nicht immer vernünftig und zielorientiert handeln. Wenn Sie es wollen, können Sie so albern wie ein Teenager und so leidenschaftlich wie eine 25-Jährige sein. Mit Ihnen kann man wahnsinnig viel Spaß haben und gleichzeitig tiefgehende Gespräche führen. Sind Sie im echten Leben jünger als 35, dann brauchen Sie allerdings etwas ältere bzw. reifere Freunde, damit Sie sich wirklich wohl mit ihnen fühlen.

Südtirol – Alto Adige

In diesem Jahr ging unser Urlaub nach Südtirol. Eigentlich muss man über Südtirol wohl nichts berichten, (fast) jeder kennt es oder ist zumindest auf seinem Weg nach Italien schon einmal durchgefahren. Ein paar Anmerkungen seien mir dennoch erlaubt. Südtirol ist wunderschön, wie z.B. das Video zeigt.

Südtirol, das ist das kaiserliche Meran mit den Trautmannsdorfer Gärten, das ist die mediterran angehauchte Hauptstadt Bozen, das sind die drei Zinnen, der Rosengarten, der Latemar, das ist die südtiroler Weinstraße mit Kaltern und seinem See und vieles mehr.

Wir haben uns dort gut erholt. Der erste Höhepunkt unseres Urlaubs lag allerdings noch in Österreich, bei Innsbruck. Dort sind die Kristallwelten von Swarovski. Diese Kunstwerke sind faszinierend, einfach sehenswert, auch wenn man sonst nichts mit den Swarovski-Kristallen anfangen kann.

Swarovski Kristallwelten

In Südtirol war das Wetter, wie eigentlich überall in Europa zu der Zeit, wunderbar. So gab es ausreichend Anlass, mal ein Eis zu schlecken. Und hier zeigte sich der Vorteil, dass wir in Italien waren. Das Eis war einfach lecker. Überall!

original italienisches Eis

Andererseits war das österreichische Erbe nicht schlecht, denn somit konnten wir auch mal einen Eiskaffee genießen. Schon im Trentino war Eiskaffee völlig unbekannt.
„Sollen wir das Eis in den Kaffee machen?“, fragte die Wirtin.
„Ja, bitte“
Die Wirtin holte so eine Mini-Tasse für einen italienischen Espresso und guckte uns fragend an.
„Nein, in einem Glas mit kaltem Kaffee“
Die Wirtin guckte entsetzt!
„Kalter Kaffee?“
„Nein, wir nehmen das Eis lieber doch extra“

Eiskaffee

Ganz unbekannt war es dann aber doch nicht, denn wir entdeckten, allerdings in Südtirol, eine Spielart von Eiskaffee, bei der das Vanilleeis tatsächlich in eine Tasse mit heißem Espresso getan wurde. Lecker! Italiener verstehen was von essen und trinken!

Dachten wir ursprünglich, dass die Kristallwelten der Höhepunkt des Urlaubs sein würde, so wurden wir eines Besseren belehrt. Höhepunkt war ganz klar die Aufführung einer meiner Lieblingsopern, nämlich Turandot in der Arena von Verona.

Einige Busreiseunternehmen boten Ausflüge dahin an, allerdings war das nicht wirklich billig. Aber eines Tages gab’s diesen Ausflug zum Last Minute Preis, wir konnten 20 Euro pro Person sparen. Das Wetter war super, also gab’s keine weiteren Fragen.

Wir bekamen einen Zettel mit Informationen zum Inhalt der Oper und was man bis zum Beginn in Verona noch besichtigen kann. So zum Beispiel natürlich den berühmten Balkon von Romeo und Julia. Als literarischer Ignorant war mir nicht wirklich bekannt, dass das in Verona spielt und mir wurde gesagt, dass der Balkon auch nicht wirklich echt sei. Aber egal, auch wir waren dort.

Trotzdem waren wir schon ziemlich zeitig in der Arena, die Aufführung begann erst um 21:00 Uhr. Wir hatten ca. zwei Stunden Zeit. Uns war bekannt, das es üblich ist, sich die Zeit gemütlich auf den Stufen mit einem Picknick zu vertreiben. Und hier kam mal wieder mein preußisches Naturell durch, denn die Eingänge der Arena waren gespickt mit Verboten: Kein Essen, kein Trinken, kein Fotoapparat, nicht mal ein Rucksack war erlaubt. Wir standen ganz schön blöd da. Zum Glück beruhigte Jens mich, dass das in Italien nicht ganz so ernst genommen wird, dass das eher halbherzige Empfehlungen wären. Und tatsächlich interessierte sich z.B. niemand für unseren Rucksack. Und so schlossen wir uns dem allgemeinen Picknick an. Zum Glück hatten wir auch an Kissen gedacht, so dass wir keine kaufen oder mieten mussten. Ohne Kissen wäre es ganz schön hart auf die Dauer geworden.

Als die Aufführung begann, zündeten die Leute kleine Kerzen an, wie sie auf Geburtstagstorten zu finden sind. Diese Kerzen wurden im Vorfeld verteilt. Auf diese Weise erhielt das Ganze eine sehr feierliche Atmosphäre. Laut Durchsage ist das eine uralte Tradition und soll bewahrt werden.

Die Aufführung selbst war aufwendig inszeniert, mit großem Orchester, Chor und auch Tänzern, und natürlich mit sehr guten solistischen Sängerinnen und Sängern. Und auch das Bühnenbild war toll.

Die Sänger haben ohne Verstärker gesungen, obwohl ein wenig technische Unterstützung vielleicht nichts geschadet hätte. Einige Ausschnitte kann man im folgenden Video sehen.

Und für alle, die das nessun dorma vermissen, hier ist es: