Spaßbremse

So ein Erfahrungsaustausch ist schon extrem anstrengend. Obwohl oder gerade weil es gestern doch für meine Verhältnisse ziemlich spät geworden ist, habe ich recht unruhig geschlafen. Und dann den ganzen Tag rumsitzen und Vorträge anhören. Und das auch noch in Englisch. Da hilft nur ausreichend Kaffee.

Mein passives Englisch ist ja ganz gut und auch ab und zu mal eine blöde Frage stellen, die signalisiert, dass ich nicht geschlafen habe, funktioniert auch ganz gut. Oder merken die doch, dass ich nicht alles verstanden habe und deshalb so eine dumme Frage stelle? Quatsch, die Antworten lassen mich vermuten, dass die Fragen nicht so abwegig waren.

Bei meinen eigenen drei Vorträgen merkte ich dann aber doch, dass mein aktives Englisch eingerostet ist. Aber die Leute haben es verstanden. Auf den Inhalt kommt es an. Bemerkenswert war mein zweiter Vortrag, neben dem allerersten heute morgen, bei dem nicht geklatscht wurde. Beim ersten waren die Leute noch zu müde, bei meinem Vortrag waren alle offenbar so ergriffen, dass das Klatschen glatt vergessen wurde. Erst als ich leise, nicht zu leise, meinem Nachbarn zuflüsterte, dass ich das schon registriert habe, dass nicht geklatscht wurde, kam der Applaus. Ok, natürlich könnte es auch Schlaf gewesen sein, aber dafür kamen eigentlich zu viele Fragen und auch eine Aufgabe zur Klärung für den Boss.

Und dann wieder gemeinsames Abendessen, diesmal bezahlt durch die Firma. Nach drei Vorträgen habe ich mir eine Vor- und eine ordentliche Hauptspeise gegönnt: in Bayern einen Obazda mit Brez’n und ein großes Bockbierschnitzel. Dazu ausreichend Bier. Eigentlich war ich nach der Salatbeilage schon satt, aber was solls, lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt.

Wir haben dann noch einen Verdauungsspaziergang durch die Innenstadt gemacht. Die Jungs mussten dann noch ein Bierchen trinken gehen, aber ich war dazu einfach nicht mehr im Stande. Jetzt lege ich mich hin und ab morgen bin ich nur noch passiv da.A

Nörgeln hilft

Nörgeln hilft, jedenfalls manchmal. Nachdem ich mich ziemlich zickig und genervt gegeben habe, sind wir, zumindest drei von uns, nämlich noch Herrmann und Sven mit mir kurz nach halb zwei aufgebrochen. Dafür habe ich mich artig hinten hin gesetzt. Sven fuhr als erstes.

An so einem Mietwagen muss man sich ja immer erst gewöhnen, das geht nicht nur mir so, sondern auch den Jungs. Und so war es nicht verwunderlich aber dennoch unangenehm, dass die Klimaanlage auf 17 °C eingestellt war. Glücklicherweise war dieses Auto sehr gut ausgestattet und die hinteren Passagiere, also ich, konnten eine eigene Temperatur einstellen. Nachdem ich die auf 28 °C hochgedreht hatte, war die sich einstellende resultierende Temperatur ungefähr so, dass es halbwegs erträglich für mich war. Vorn Eiszapfen, hinten Wüste. Es zog nur ein bisschen. Irgendwann war es dann auch Sven so kalt, dass die beiden vorn intensiv gesucht und gefunden und die Temperatur auf erträgliche 21 °C geregelt haben. Dann konnte ich nachziehen und im Auto herrschte eine einheitliche Temperatur.

Ansonsten war ich froh, dass doch relativ viele LKWs unterwegs waren. Diese wurden von den PKWs überholt, wodurch die linke Fahrspur, auf der wir fuhren, immer mal blockiert und wir auf 150 oder noch weniger Kilometer pro Stunde abbremsen mussten. Der Krampf meiner Hand im Polster ließ dann sofort nach.

Immerhin haben wir dann nach etwa zwei Dritteln der Strecke eine Pause eingelegt, einen Kaffee getrunken und die Jungs haben auch was gegessen. Und Sven war so lieb, für uns alle zu bezahlen. Eigentlich sind sie ja gar nicht so schlimm, doch irgendwie gehen dann doch ab und zu mal die Hormone oder was auch immer mit ihnen durch.

Nach der Pause fuhr dann Herrmann und im Vergleich dazu ist Sven doch sehr zurückhaltend gefahren. Zum Glück hatten die beiden das Navi noch nicht im Griff, weshalb ich ergänzend mein altes Handy gezückt und dort die Strecke zum Hotel eingegeben habe. Und das Handy-Navi ist mein Freund. An Autobahnauf- oder -abfahrten und sonst noch ab und zu meldete es sich mit der Aufforderung „Bitte die Höchstgeschwindigkeit beachten“. Selbst Herrmann ist dann vom Gas gegangen und so lange langsam gefahren, bis er geschnallt hatte, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung schon lange wieder vorbei war.

Schließlich sind wir dann doch gut angekommen und kurz nach uns, wir standen noch an der Hotelrezeption, kamen auch die anderen. Die müssen dann doch ziemlich tief geflogen sein.

Nachdem wir unsere Zimmer in Beschlag genommen haben, sind wir dann noch in einen Biergarten und haben dort noch nett gegessen und getrunken. Nur Sven war nicht mit, weil er noch seinen Vortrag vorbereiten musste. Für alle anderen hat so der Tag dann doch noch einen halbwegs brauchbaren Ausklang gefunden.

Elende Amateure

Als eine der wenigen, die über ein halbwegs brauchbares Zeitmanagement verfügt, sitze ich hier dumm rum und warte, dass wir zu unserer Dienstreise aufbrechen. 13:00 Uhr sollte es losgehen. Ein Teil will erst weit nach 14:00 Uhr los, der andere frühestens 13:30 Uhr.

Und dann diese blöde Raserei. Wenn ich das schon höre: „Man braucht dahin nicht mehr als zwei Stunden …“ Im Tiefflug, oder wie? Ich habe jetzt schon die Schnauze voll und wir sind noch nicht mal losgefahren.

53 Melonen

„Mathebücher sind der einzige Ort, an denen es völlig normal ist, 53 Melonen zu kaufen.“

Wir waren gestern in der Schule um einen Vortrag über das Lernen zu lauschen. Bevor es losging, wurden nette Sprüche dieser Art an die Wand geworfen und diesen einen konnte ich mir merken, weil ich ihn besonders lustig fand. Die Dame hat das ganz nett gemacht, allerdings habe ich nicht viel Neues gelernt. Nach wie vor bin ich ratlos, wie ich mein Kind motiviere, sich mehr für die wichtigen Dinge des Lebens zu interessieren. Oder anders gesagt, wie ich seine Prioritätenliste ändern kann.

Aber das ist nicht der Grund, warum mir jetzt der Schädel brummt. Auch nicht, dass ich heute, wie jedes Jahr um diese Zeit, zur Grippeschutzimpfung gegangen bin. Diesmal war ich auch im Gegensatz zum letzten Jahr tatsächlich gesund. Nein, der Grund ist meine Schnattertasche von Kollege mir gegenüber, Andreas. Da heißt es immer, dass Frauen soviel schwatzen. Das ist nicht wahr, jedenfalls im Vergleich zu Andreas. Dessen Mundwerk kann einfach nicht still stehen. Meist quatscht er nicht mit mir, weil ich inzwischen versuche, Gespräche mit ihm zu meiden. Er ist eigentlich sehr nett, aber einmal ein Plausch angefangen und ein Stündchen ist rum. Egal, wer mit ihm quatscht. Und auch egal, ob direkt vis-a-vis oder am Telefon. Jedenfalls war gerade wieder so ein Moment.

Ich kann mich dann einfach nicht konzentrieren, wenn der erzählt. Und was der erzählt, das Blaue vom Himmel, egal ob fachlich oder privat. Und wenn ich dann endlich hoffe, dass er fertig ist, fängt er einfach wieder von vorne an. Da hilf nur eins, Kopfhörer auf und die volle Musikdröhnung. Das lenkt zwar auch ab, aber bei genügend langweiliger Musik geht das.

Dennoch dröhnt mir dann davon der Kopf, zumal ich mich konzentrieren musste. Nächste Woche fahre ich zum Erfahrungsaustausch ins ferne Bayern und da habe ich meinen Vorträgen noch den letzten Schliff gegeben. Eigentlich wollte ich gar nicht hin, aber Herrmann hat mich überredet. Allein vor der Fahrt dahin graut mir. Die Jungs müssen immer zeigen, was für tolle Hechte sie sind und rasen, was das Zeug hält.  Als ich dann mal ein Stück fuhr, wurden sie unruhig, weil ich auch mal jemanden überholen ließ, obwohl wir nicht wirklich länger gebraucht haben. Aber die Herren fühlen sich eben nicht wohl, wenn kein Strudel im Tank ist.

Doch zurück zu meinen Vorträgen. Ich sollte mir nun ein Thema aus den Fingern saugen, dafür, dass ich auf eine Dienstreise darf, die ich gar nicht wollte. Ok, nach einigen Überlegen fiel mir was ein, was die anderen vielleicht interessieren könnte.

Als dann die Einladung mit der Agenda verschickt wurde, staunte ich, dass ich mit drei Themen dran bin. Zwei Themen, die für mich zwar relevant sind, die aber die anderen nicht wirklich interessieren. Also habe ich artig  auch diese Themen vorbereitet, aber heimlich die Agenda umgebaut. Das erste Thema habe ich als erstes meiner drei gesetzt und die Zeit verlängert, bei den beiden anderen dafür gekürzt. Und vielleicht fällt ja dann noch was weg, weil ich die Zeit beim ersten trotzdem überziehen werde.

Jetzt ist aber erst einmal Wochenende. Erholt Euch gut.

CETA, TTIP und die Wahlen

Nach einiger Zeit ist es mir ein inneres Bedürfnis, mich in meinem Blog mal wieder politisch zu äußern. Grund sind einige Ereignisse der letzten Zeit, die mir so durch den Kopf gehen.

Da sind zum einen die diversen Wahlen, bei denen die AFD immer mit einem zweistelligen Ergebnis aufwarten kann. Die Analyse der Experten besagt, dass die AFD geschickt die Flüchtlingskrise für sich ausnutzt. Sicher ist da was dran und wer sich mit Mindestlohn durchs Leben kämpft, hofft sicherlich, durch das Kreuzchen bei der AFD den etablierten Parteien mal einen Denkzettel zu verpassen.

Was mich aber am Wochenende besonders beeindruckt hat, waren die Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen CETA und TTIP. Trotz der scheinbar alles dominierenden Flüchtlingsdebatte und trotz des schlechten Wetters fanden sich doch sehr viele Menschen, die gegen diese Abkommen demonstrierten. Wenn ich mir vorstelle, dass das nur die Spitze des Eisberges ist, weil viele wie ich sich nicht zum Demonstrieren aufraffen können, diese Ziele aber gut heißen, dann ist das eine ganz gewaltige Spitze von mehr als 300000 Menschen.

Man hört immer so viel von „Ängsten und Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen“, dass ich es nicht mehr hören kann. Hier zeigen sich sehr tief verwurzelte Ängste und Sorgen der Bevölkerung. Werden die Freihandelsabkommen trotzdem unterzeichnet und ratifiziert? Und wundert sich dann die politische Elite anschließend über Vertrauensverlust und Frustration?

Ich persönlich kenne nur Privatleute bzw. Wähler, die entweder gegen CETA und TTIP sind, oder noch nie was davon gehört haben. Befürworter kenne ich nur in Form von Interessenvertretern.

Halbstarke

Gestern hatte mein Mann einen Arzttermin und musste somit nicht so zeitig los. Das bedeutete, dass er von mir die „Frühschicht“ übernehmen und sich selbst sowie unser Kind mit Frühstück versorgen und Sohnemann zur Schule schicken konnte. Ich konnte deshalb, obwohl wie immer aufgestanden, eher los und hatte dementsprechend eher Feierabend.

Das ermöglichte mir wiederum, meinen Sohn mit einer der unangenehmsten Aktionen zu quälen, die dieser sich vorstellen kann. Klamotten kaufen! Wir waren im Second-Hand-Laden und haben zum Schnäppchenpreis 3 wunderschöne Pullover erstanden. Das war ja noch einfach. Die eigentliche Hürde kam ja noch: Hosenkauf.

Mir ist völlig schleierhaft, wie andere das so machen. Schließlich ist mein Kind ja nun für mich zwar irgendwo was besonderes, aber ansonsten ja nun nicht einzigartig. Und nicht umsonst gibt es den Begriff Halbstarke. Das Problem: im Gegensatz zu Pullovern finde ich bei Hosen sehr schwierig welche mit guter Passform. Sowohl für meinen Mann und mich und noch viel schwieriger für unseren Sohn. Dieser ist inzwischen viel zu groß für Kindergrößen, obwohl es die 185 ja theoretisch noch gibt. Nur Männergrößen kann er bei Hosen auch nicht nehmen, denn er ist schmal wie ein Handtuch. Wir haben Jeans in der Weite 31 oder 32 und der Länge 36 Zoll gesucht. Andersrum gibt es da Auswahl in Hülle und Fülle, aber so rum?

Schließlich haben wir dann nach vielen Wühlen eine gefunden, die mit Gürtel halbwegs passt. Als wir dann aus dem Laden rausgehen wollten, fanden wir am Eingang noch Garderobenständer mit Hosen von s.Oliver, Tom Taylor und Co. Eigentlich ist das die Etage der Damenabteilung, aber die Markenklamotten müssen offenbar am Eingang präsentiert werden. Das ist das nächste Problem, das mich überfordert. Man weiß in den Läden oft nicht, ob man wirklich alles gesehen hat, oder ob nicht doch noch irgendwo so eine Ecke mit dem ultimativen Teil ist. Und das mit einem quengelnden Teenager. Die Verkaufsstrategen denken nicht an das Nervenkostüm der geplagten Kundschaft.

Am Ende hatten wir dann drei Hosen, was eine beachtliche Ausbeute ist. Der Winter kann kommen.

Stress – oder nicht?

Meine Krankenkasse meint es gut mit mir. Deshalb schickt sie mir regelmäßig einen Newsletter mit interessanten Informationen. Im neuesten Newsletter durfte ich mit Hilfe eines Online-Tests meine Stressbelastung überprüfen. Ich habe offenbar keinen Stress:

„Sie zeigen sehr geringe Anzeichen von Stress: Im Vergleich zu vielen anderen Menschen gelingt es Ihnen gut, die alltäglichen Herausforderungen zu meistern. Wie schaffen Sie es, trotz beruflicher bzw. privater Belastungen, Ihr Stresslevel niedrig zu halten? Identifizieren Sie Ihr persönliches Anti-Stress-Mittel und setzen Sie es in Zeiten stärkerer Belastung gezielt ausgleichend ein. Werden Sie aktiv und überlegen Sie sich, wie sich Ihre Entspannungs- und Erholungsmomente ein Stück weit ausbauen ließen.“

Ja, was ist denn nun mein persönliches Anti-Stress-Mittel? Keine Ahnung. Es wäre schön, wenn ich es identifizieren könnte, denn im zweiten Teil des Tests wird mir erklärt, dass ich doch stark stressgefährdet bin:

„Sie haben eine Imbalance: Ihren Angaben zufolge überwiegt bei Ihnen das Gefühl, etwas leisten zu müssen und dafür keine ausreichende Gegenleistung zu erhalten. Bei anhaltender Anspannung kann dieser Zustand die Lebensqualität reduzieren. Existiert ein solches Ungleichgewicht über einen längeren Zeitraum und kommen zusätzlich weitere Missverhältnisse auf, ist ein erhöhtes Risiko für körperliche und seelische Erkrankungen zu befürchten. Wir empfehlen Ihnen, herauszufinden, ob bei Ihnen belastende äußere Faktoren (zu viel Druck in der Arbeit, Unsicherheiten, wenig Wertschätzung) und/oder persönliche Aspekte ausschlaggebend sind. Die Auslöser für Ihr Ungleichgewicht lassen sich am besten in einem individuellen Gespräch mit Ihrem Hausarzt, einem Facharzt oder einem Therapeuten herausfinden.“

Ok, ich muss mir unbedingt – unterstützt vom Service meiner Krankenkasse, einen Therapeuten besorgen. Damit es nicht schlimm mit mir endet.