Gelaber

Es ist schon blöd. Ich sitze hier im Büro und habe anscheinend immer noch nicht wirklich was zu tun,. Aber eigentlich ist es eher, dass ich hier mit angezogener Handbremse sitze und nicht loslegen darf.

Mein Projekt, an dem ich das letzte Jahr gearbeitet habe, ist eigentlich ganz gut im Rennen. Aber es ist tot, mausetot. Anfang Dezember haben sich mal abteilungsintern alle, die irgendwie was damit zu tun haben, zusammengesetzt und in die Glaskugel geguckt. Und heraus kam, dass alles ganz anders ist als angenommen. Nach kurzem hin und her wurde der Todesstoß versetzt.

Das stört mich jetzt nicht weiter, denn natürlich wurde nach dem Motto verfahren: Der König ist tot, es lebe der König. Ich habe also die Aufgabe, das Projekt zu beerdigen und als geändertes Projekt zum Erfolg zu führen. Das ist beschlossen, mit Zeitplan.

Doch starten darf ich noch nicht, jedenfalls nicht offiziell, höchstens heimlich. Denn die oberste Heeresleitung muss das noch absegnen und bis dahin gilt offiziell noch der alte Stand. Somit bin ich in der blöden Situation, so zu tun, als würde alles ganz fein laufen. Und Anfragen, wie gerade eben, muss ich mit blöden Gelaber („ongoing, in evaluation“) abschmettern.

Hoffentlich verquatscht sich nicht mal einer der Kollegen und ich muss dann wieder die Wogen glätten. Und hoffentlich bekomme ich bald grünes Licht, damit ich endlich anfangen kann. Sonst kann ich den Termin nicht halten und das würde den Betrieb sehr viel Geld kosten.

Verschwendung oder Kunst?

Der Steuerzahlerbund hat wieder einmal sein Schwarzbuch zur Steuerverschwendung veröffentlicht. Meine heimische Tageszeitung veröffentlichte dieses Bild einer Verschwendung in Chemnitz:

© Toni Söll / Archiv (Freie Presse)

Dieses Monstrum soll eine Bank sein. Sie steht vor dem örtlichen Archäologiemuseum und soll auch ziemlich unbequem sein. Die 15 Meter lange Bank hat 61000 (in Worten einundsechzigtausend) Euro gekostet, was der Steuerzahlerbund ankreidet. Die Stadt verteidigt sich und bezeichnet die Bank als „Kunst im öffentlichen Raum“.

Auch wenn mehr als 4000 Euro pro Meter Bank ziemlich viel Geld ist, gebe ich der Stadt recht. Wer Chemnitz kennt, weiß, dass die Stadt kein touristischer Anziehungspunkt ist. Warum soll die Stadt sich nicht bemühen, die Stadt zu verschönern und Akzente zu setzen? Dazu gehört meiner Meinung nach auch Kunst. Man mag sich über darüber streiten, ob das nun gelungen ist oder nicht. Es ist eine Geschmacksfrage. Doch hören wir nicht auch oft Vorwürfe nach Bürokratie, wenig Sinn für Kultur und den Wunsch nach gewagteren, frischeren Formen und Farben?

Und wo kommen wir hin, wenn Pfennigfuchser diktieren, was gefällt? Kunst darf auch mal teuer sein. Auch wenn es nicht jedermanns Geschmack ist. Ich nutze z.B. auch die städtischen Subventionen für das Chemnitzer Opernhaus, was mir mehrmals im Jahr einen Kunstgenuss beschert. Darüber bin sehr froh.

Notgroschen

Seit gestern ist es nun für uns auch Realität. Bundesschatzbriefe können wir nicht mehr als halbwegs sicheren und flexiblen Notgroschen anlegen, sondern wir mussten uns was Neues suchen. Denn laut einer Pressemitteilung hat die Bundesrepublik Deutschland keine Lust mehr, Geld von ihren Bürgern zu leihen. Lieber kassiert sie es direkt als Steuern und Abgaben. Für uns, als konservative Anleger, ergab sich nun die Frage, was zu tun ist.

Bundesschatzbriefe

Wir sind also in die nächste Filiale unserer Sparkassse gegangen und haben uns beraten lassen. Hätte ich gewusst, wie lange das dauert und wie kompliziert das ist, hätte ich die Knete in den Strumpf gestopft und unter dem Kopfkissen versteckt. Nun gut, nun bekommt eben dieses Institut unseren Notgroschen.

Jan hat sich gefreut, denn er hat zu Hause auf uns gewartet. So lange hatte er bisher noch nie am Computer sitzen können und spielen. Er hat 5 Level geschafft, wenn ich nicht wieder alles durcheinanderbringe.

Alles muss seine Ordnung haben

Eins meiner Lieblingsthemen ist, wie für viele andere Leidensgenossen auch, die Steuererklärung. Jedes Jahr im Frühjahr beginnt dieser Wettlauf, um spätestens Ende Mai diese Erklärung abzugeben.

Danach beginnt das bange Warten auf den Bescheid. Zunächst findet man einen großen Briefumschlag mit den eingereichten Dokumenten, die zurück gegeben werden, im Briefkasten. Jetzt dauert es nur noch Wochen, bis der Bescheid kommt.

Steuererklärung

Jetzt war es so weit und wir haben den Bescheid bekommen. Und hier offenbart sich ein weiteres Ärgernis. Vor ein paar Jahren hatten wir schon einmal diesen déjà-vu-Effekt. Das Finanzamt schickte uns Korrekturen der Steuererklärung der letzten drei Jahre, weil sich wieder mal irgendein Gesetzt geändert hatte oder weil irgendein Gerichtsurteil gesprochen wurde. Innerhalb einer ziemlich kurzen Frist wurden wir zur Nachzahlung aufgefordert, weil irgendwelche Kinderbetreuungskosten falsch angerechnet wurden.

Auch diesmal fand sich im Brief vom Finanzamt ein „alter“ Bescheid. Nämlich von 2010. Glücklicherweise hatte sich nichts geändert. Mir wäre es lieber, wenn es einen Bescheid gibt, der dann auch Bestand hat, als wenn der über Jahre hinweg offen gehalten wird, immer mit dem Risiko einer nicht unerheblichen Nachzahlung.

Der lange Atem fehlt

Gestern beschrieb ich ja die Metamorphose des Buchhalters. Leider fehlt ihm der lange Atem und Phantasie sowie jegliches Technisches Verständnis. Und sein zeitlicher Horizont endet nach zwei oder drei Jahren. Das wurde einer dringend benötigten Technologie zum Verhängnis, die, was bei Projekten dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich ist, unerwartete, jedoch nicht unlösbare Probleme bereitete. Die Investoren waren nicht mehr bereit, zeitliche Verzögerungen zu akzeptieren und haben dafür keine Alternative zum Erdöl-Sprit.

Quelle: Wirtschaftswoche

Hier ist der Link zur Geschichte des Untergangs der Freiberger Fabrik Choren, die Biosprit der zweiten Generation herstellen wollte.

Die Metamorphose des Buchhalters

Es war einmal ein Buchhalter. Der erledigte seine Arbeit jederzeit zur Zufriedenheit seines Chefs, des Direktors. Der Buchhalter war eine angesehene Persönlichkeit, er kannte sich mit den Grundrechenarten aus und bewegte sich dabei im Bereich der natürlichen Zahlen. Minuszeichen waren ihm nur als Symbol für eine Rechenoperation bekannt, Schulden waren tabu.

Buchhalter

Obwohl die Arbeit des Buchhalters anerkannt war und die Geschäfte gut liefen, war der Buchhalter unzufrieden. Ja, er war angesehen, aber war er geliebt? Nein! Hatte er Macht? Nein! Hatte er Gestaltungsmöglichkeiten? Nein! Er war ein Dienstleister, so wie eine Putzfrau oder der Pförtner. Das reichte ihm nicht.

So kam es, dass er sich umnannte. Ab sofort nannte er sich Prokurist. Das klang doch viel besser, kam es doch aus dem lateinischen: pro cura = für etwas Sorge tragen!

Der Direktor war beeindruckt. Deshalb übertrug er ihm einen Teil seiner Verantwortung, der Prokurist durfte jetzt auch im Auftrag des Direktors handeln. Der Direktor konnte sich jetzt noch mehr auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, der Prokurist übernahm die finanziellen Angelegenheiten. Die Arbeitsteilung war perfekt, es ging aufwärts mit der Firma.

Prokurist

Eine Weile ging alles gut, die Wirtschaft brummte, der Aufschwung war da und der Prokurist war eine angesehene Persönlichkeit mit Gestaltungsspielraum im finanziellen Bereich. Doch wirklich wichtige Entscheidungen traf nach wie vor der Direktor. Der Prokurist wollte mehr.

Also nannte er sich um, er wurde Controller. Das klang auch gleich viel dynamischer. Er war zuständig für Financial and Accounting, Buchhaltung war out. Und jetzt ging es richtig ab. Als Controller musste er jede Entscheidung absegnen. Und er wurde kreativ. Schulden machen hieß jetzt Geldbeschaffung. Damit wurde jetzt investiert, die Firma wuchs. Der Direktor traute sich jetzt nicht mehr, einfach irgendwas zu entscheiden. Der Controller musste zustimmen, es gab jetzt ein Board, dass alles absegnete.

Spinnnetz

Wie ein Spinnnetz spinnte sich der Einfluß von Financial and Accounting durch alle Bereiche. Nichts ging mehr, ohne Financial and Accounting. Der Direktor wurde nicht mehr benötigt und in den Aufsichtsrat verabschiedet. Die Entscheidungen traf jetzt der Buchhalter Controller. Er nannte sich jetzt Chief Executive Officer (CEO) und wurde der Boss der Firma. Er sprach mit dem Bürgermeister, dem Minister, ja sogar mit dem Präsidenten. Er erklärte, dass er entweder Geld Subventionen benötige oder sonst gezwungen wäre, nach Osteuropa oder Asien zu gehen. Und er bekam Geld Subventionen. Der Staat verschuldete sich, aber es war egal. Den Bürgermeistern, Ministern, Präsidenten wurde es mit ein paar Incentives schmackhaft gemacht. Sie erklärten dem Volk, dass die Wirtschaft nur funktioniert, wenn Schulden gemacht werden.

Und die Schulden wuchsen, sie wuchsen in den Himmel. Plötzlich wurde es jemanden unheimlich. Und das griff um sich. Die Leute fanden das plötzlich nicht mehr toll. Rating Agenturen, die bisher ermuntert hatten, Geld zu beschaffen, änderten ihre Meinung und sagen nun, dass Schulden ganz schlimm sind. So wie früher, als es noch Buchhalter gab.

Wäre es nicht Zeit, für die Renaissance der Buchhalter?

Schuldenabbau und Steuervereinfachung statt Steuersenkung

Christine Lieberknecht, Quelle: Wikipedia
Die gegenwärtige Steuersenkungsdebatte ist ja wieder mal typisch. Da hat man mit Griechenland einen Pleitestaat, weiterhin mehrere Kandidaten dafür und auch unser Land ist extrem hoch verschuldet. Aber statt an Schuldenabbau zu denken, will die FDP Steuern senken. Milliardengeschenke für ein paar Wählerstimmen. Und den Zielgruppen bringt es dann vielleicht 10 Euro im Monat.

Da unterstütze ich eher die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die sich für Steuervereinfachung und Schuldenabbau einsetzt.