La Cenerentola (Aschenputtel)

Das hätte ich so nicht gedacht. Von Rossini kenne ich eigentlich bloß den Barbier von Sevilla. Nett, aber für mich nun nicht DIE Sensation der Oper. Doch dann hatten wir in der MET „La Donna del Lago“ gesehen und waren hin und weg.

Trailer von La Donna del Lago, MET, New York

Einfach Wahnsinn, wie dort Joyce DiDonato losträllerte. Insofern wurden wir ermutigt, uns noch eine weitere Rossini-Oper anzusehen. Ich habe gelernt, dass Rossini sehr sehr viele Opern geschrieben hat und nur sehr wenige bekannt sind.

Zu den bekannteren zählt auch La Cenerentola (Aschenputtel). Diese wird seit der letzten Spielzeit im Chemnitzer Opernhaus gezeigt und wir haben quasi zum Abschluss der jetzigen Saison diese Oper gesehen. So toll, wie das dort umgesetzt wurde, habe ich vorher auch noch keine Opernproduktion gesehen. Perfekte Show mit Animationen und wunderbarer Musik. Einfach Klasse und unbedingt weiter zu empfehlen.

Trailer von La Cenerentola, Opernhaus Chemnitz

Für uns war es unverhofft der Höhepunkt der Saison.

Verschwendung oder Kunst?

Der Steuerzahlerbund hat wieder einmal sein Schwarzbuch zur Steuerverschwendung veröffentlicht. Meine heimische Tageszeitung veröffentlichte dieses Bild einer Verschwendung in Chemnitz:

© Toni Söll / Archiv (Freie Presse)

Dieses Monstrum soll eine Bank sein. Sie steht vor dem örtlichen Archäologiemuseum und soll auch ziemlich unbequem sein. Die 15 Meter lange Bank hat 61000 (in Worten einundsechzigtausend) Euro gekostet, was der Steuerzahlerbund ankreidet. Die Stadt verteidigt sich und bezeichnet die Bank als „Kunst im öffentlichen Raum“.

Auch wenn mehr als 4000 Euro pro Meter Bank ziemlich viel Geld ist, gebe ich der Stadt recht. Wer Chemnitz kennt, weiß, dass die Stadt kein touristischer Anziehungspunkt ist. Warum soll die Stadt sich nicht bemühen, die Stadt zu verschönern und Akzente zu setzen? Dazu gehört meiner Meinung nach auch Kunst. Man mag sich über darüber streiten, ob das nun gelungen ist oder nicht. Es ist eine Geschmacksfrage. Doch hören wir nicht auch oft Vorwürfe nach Bürokratie, wenig Sinn für Kultur und den Wunsch nach gewagteren, frischeren Formen und Farben?

Und wo kommen wir hin, wenn Pfennigfuchser diktieren, was gefällt? Kunst darf auch mal teuer sein. Auch wenn es nicht jedermanns Geschmack ist. Ich nutze z.B. auch die städtischen Subventionen für das Chemnitzer Opernhaus, was mir mehrmals im Jahr einen Kunstgenuss beschert. Darüber bin sehr froh.

Hinter den Kulissen

So ganz trifft das nicht zu. Ich war nicht wirklich hinter den Kulissen, sondern schon im Zuschauerraum. Aber oben, auf der Empore mit Stehplatz. Bei der Eröffnungsveranstaltung der 21. Silbermanntage in unserem Dom. Der Grund war, dass mein lieber Gemahl im Chor mitgesungen hat. Er hatte mich schon vorgewarnt, dass die Veranstaltung wohl nicht so hyperspannend wird. Jedenfalls nicht für so schlichte Gemüter wie mich. Dementsprechend kaufte ich mir die billigste Eintrittskarte und das war da oben. Mit guter Sicht (obwohl ich mein Opernglas zu Hause gelassen habe), aber stehend. Immerhin, das schützt recht gut vorm Einschlafen.

© Bernd Gross / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

Um jetzt aber keinen falschen Eindruck zu erwecken, möchte ich betonen, dass die Veranstaltung künstlerisch sehr anspruchsvoll und hochklassig war. Ich stehe nur nicht so auf Orgelmusik. Und die andere Musik hätte man nach meinem Geschmack noch straffen können. 90 Minuten waren doch ganz schön lang.

Bei solch hochkarätigen Veranstaltungen darf die Prominenz natürlich nicht fehlen. Und so war sie auch da, die lokalen und regionalen Größen: die Staatsministerin, der Oberbürgermeister, Bundes- und Landtagsabgeordnete, lokale Polit- und sonstige Größen und was weiß ich, wer noch. Nebst Gattin oder Gatten, Lebensgefährten oder allein.

Von meinem Stehplatz auf der Empore aus hatte ich nicht nur einen guten Blick auf die „Bühne“, also den Altarraum, wo ich auch meinen Gatten gut sehen konnte, sondern auch die Prominenz wurde nicht von meinen neugierigen Blicken verschont. Die Promis in der ersten Reihe mussten natürlich andächtig lauschen, ein Bein übergeschlagen und nicht offensichtlich schlafend.

Interessanter war es dann schon ab der zweiten Reihe. Promis wären keine Promis, wenn sie nicht ständig erreichbar wären. Und so ging immer mal ein Lichtlein auf. Nicht dem Promi, sondern dessen Smartphone. Ich bin ja froh, dass ich nicht so wichtig bin und zwischen Orgelspiel und Chorgesang entscheiden muss, ob ich meine Zustimmung zum nächsten Griechenlandhilfspaket, zur Einführung eines Zuwanderungsgesetzes oder zur Umverteilung des Elterngeldes geben muss. Promis müssen sowas.

Bei zwei der Promis in den hinteren Promireihen fiel mir auf, dass diese sich offenbar rein privat fühlten. Ein junger, aufstrebender Abgeordneter und ein alter, mit allen Wassern gewaschener Lokalpolitiker, Beide waren mit Gattin da. Beim jungen weiß ich nicht, ob es seine Gattin war, also sage ich mal Dame. Die Herren trugen dunkle Anzüge, wie sich das gehört. Die Damen eine Bluse mit Jäckchen darüber und Röcken sowie dunkle Strumpfhosen.

Ich finde es sehr schön, dass die beiden Herren ihre Dame mitgebracht haben und diese offenbar auch lieben. Das konnte ich im Laufe des Abends feststellen. Nicht schon nach den inspirierenden warmen Worten zur Einführung und auch noch nicht nach den ersten Takten.

Aber dann, so etwa nach der dritten (oder war’s die zwölfte?) Strophe des Lobgesangs, den der Bass wirklich herrlich meisterte und zum Klang der historischen Instrumente trällerte – Bass und trällern ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck – also sang, jetzt habe ich mich in meinem eigenen Schachtelsatz verlaufen. Kurz, die hielten Händchen.

Verwirrt? Ich auch. Also, sowohl der junge aufstrebende Abgeordnete als auch der mit allen Wassern gewaschene Lokalpolitiker fühlten sich zu ihrer Dame hingezogen. Beide legten ihre Hand auf den Schenkel ihrer jeweiligen Dame. Ein schöner Ausdruck von Zuneigung und Liebe, enger Verbundenheit und gemeinsamen Kunstgenusses. Für mich, ignorant wie ich bin, war es nun interessant, zu beobachten, wie die Damen damit umgingen. Ich versuche jetzt einfach mal, nur Beobachtungen zu schildern und meine blühende und hier unpassende Phantasie im Zaume zu halten.

Beide Damen wussten die Zuneigung zu schätzen und legten ihre Hand auf die auf ihren Schenkel liegende Hand ihres Begleiters, obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie sich ein Stückchen zu weit an der Innenseite ihres Schenkels befand. Doch sowohl körperspachlich also auch im folgenden Ablauf unterschieden sich beide.

Das Mädel des jungen aufstrebenden Abgeordneten schien hin- und hergerissen zu sein. Normalerweise hat sie sicherlich nichts gegen körperliche Zuwendung ihres Liebsten einzuwenden, doch schien ihr die Lage in diesem Rahmen nicht geheuer. Sie saß ziemlich steif da, die Beine fest zusammen und parallel, die Füße fest auf dem Boden. Es sah nicht sehr bequem aus, wie sie so da saß. Sie hatte nun auch noch das Problem, dass ihr Röckchen recht kurz war, so dass sie wohl befürchtete, die Hand ihres Holden würde das Röckchen durch eine ungeschickte Bewegung zu weit verschieben und den Blick auf Bereiche freigeben, die an solch einem Ort einfach unangebracht sind, auch wenn es sich um eine weltliche Veranstaltung handelte. Zumindest halb. Das Mädel verspannte immer mehr und nahm schließlich noch die andere Hand hinzu, um mit zwei Händen die Hand des jungen aufstrebenden Abgeordneten in Schach zu halten. Es gelang ihr, jedenfalls konnte ich kein Unglück bis zum Schluss der Veranstaltung bemerken.

Die Frau des mit allen Wassern gewaschenen Lokalpolitikers hingegen war der Situation durchaus gewachsen. Ganz Grande Dame. Souverän und locker saß sie da, tätschelte die Hand ihres Schatzes und verfolgte weiter aufmerksam das Geschehen. Irgendwann drehte sie dann den Spieß einfach um, um eine heikle Situation zu vermeiden. Als liebend Eheweib lehnte sie sich an die kräftige Schulter ihres Gatten, mit dem sie im Leben sicherlich schon durch dick und dünn gegangen ist. Sie nahm seine Hand von ihren Schenkel und legte ihren Arm entspannt auf seinen Schenkel, so dass sich ihre Hand etwa in seinem Schrittbereich befand. Der mit allen Wassern gewaschene Lokalpolitiker lehnte sich darauf hin entspannt zurück, die Beine leicht gespreizt, die großen Hände im Schoß gefaltet, so dass mir der Blick auf ihre Hand, die sich dahinter befand, versperrt war. So saßen sie dann bis zum Ende des Konzerts offenbar zufrieden da und ich beende hiermit auch meinen Bericht.

Erholung

Das letzte Wochenende war mal nicht so stressig, wie die letzten. Ich hatte ausnahmsweise mal ausreichend Schlaf, kaum Verpflichtungen und angenehme Erlebnisse. Kultureller Höhepunkt war sicherlich der Besuch des Kinofilms Pina. Der Film hat mich sehr beeindruckt, auch wenn ich nun sicherlich kein großer Fan dieser Kunst werde.

Quelle: Töpfermakrt.com

Der Höhepunkt mit dem höchsten Spaßfaktor war hingegen der jährliche Töpfermarkt. Ich kann da ja nicht widerstehen und muss nicht nur hingehen, sondern auch was kaufen. Eigentlich ist unsere Wohnung ja schon vollgestopft mit Töpferwaren und Keramik, aber das muss sein.

Über den Wolken

Unter diesem Motto stand der diesjährige Bühnenball unseres Theaters. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal an dem Ball teilgenommen. Es war eine ziemlich schwere Geburt. Bereits im Sommer haben wir uns angemeldet. Anfang September wurden wir dann auf Ende September, dann auf Anfang Oktober usw. vertröstet, bis wir endlich im Dezember die ersehnten Karten erwerben konnten. Leider konnten wir fast nichts sehen, dafür waren sie auch kaum teuerer als Flanierkarten, mit denen man erst nach der Gala rein durfte.

Allerdings hätte ich für einen besseren Platz auch gern mehr bezahlt, denn die Gala war ganz schön. Sie fand im Olymp statt. So wurde die Nikolaikirche bezeichnet, die dem Theater gegenüber steht und als Konzerthalle genutzt wird. Theater und Kirche waren mit einem überdachten Durchgang miteinander verbunden. In der Gala wurde Schauspiel und Musiktheater zum Thema aufgeführt, natürlich mit dem Klassiker von Reinhard Mey.

Mir persönlich haben natürlich die Beiträge des Musiktheaters am besten gefallen, insbesondere Zsuzsanna Kakuk mit Verdis Griselda und gemeinsam mit Lilia Milek in Così fan tutte von Mozart, sowie Lilia Milek allein, ebenfalls in Così fan tutte.

Die Hauptbühne war unter der Bezeichnung Luna-Park zur Ballfläche umgebaut. Dort spielte die Henry-Bittner-Band zum Tanz. Sie spielte sehr gut, Tanzmusik, mit optimaler Lautstärke. Allerdings haben wir nicht getanzt. Einerseits, weil die Tanzfläche recht klein und die Tänzerschaar recht groß war, andererseits, weil wir kaum Zeit hatten.

Quelle: Stock Xchng

Denn es wurden an verschiedenen Stellen im Theater und auch in der Kirche kleine Programme aufgeführt. Einen Teil davon haben wir uns angesehen, so mehrere Lieder gesungen von Guido Kunze unter dem Titel „Mond und Wolken, Sonn‘ und Sterne“ sowie Chansons mit Susanne Engelhardt („Fly to the moon“). In der Nikolaikirche trat der Chor als „Flying Voices“ auf und ging auf Urlaubsreise.

Es war dann so spät, dass wir den Ball danach verließen, auch wenn es eigentlich danach erst richtig losging.

Insgesamt hat es uns, trotz der Schwierigkeiten, die Karten zu bekommen und der schlechten Plätze in der Gala, gefallen.

Museumsnacht

Das Wochenende, insbesondere der Samstag, waren wieder einmal recht ereignisreich. Es begann damit, dass wir Jan zu meinen Eltern nach Halle geschafft haben. Bei der Gelegenheit haben wir das Schokoladenmuseum besucht. Es war ziemlich schwierig, dahin zu gelangen, denn wie anscheinend überall, behinderten uns zahlreiche Baustellen mit mangelhaften Umleitungen. Dafür wurden wir dann aber nicht nur mit einer wunberbaren Ausstellung belohnt, sondern konnten uns auch in gut klimatisierten Räumen aufhalten. Bei der Wärme nicht zu unterschätzen.

Schokoladenmuseum Halle

Nur der sogenannte Werksverkauf war enttäuschend. Die normalen Mozartkugeln (200 g – Packung) waren teurer als bei uns im Supermarkt. Aber es gab auch das eine oder andere Schnäppchen, so dass wir jetzt mit Mozartkugeln für 1 Euro pro 280 g – Packung gut eingedeckt sind.

Bei meinen Eltern sind wir dann bis nach dem Kaffee geblieben, um danach dann direkt nach Dresden zu fahren. Durch Zufall hatten wir erfahren, dass dort Museumsnacht war. Ohne Kind wollten wir uns das nicht entgehen lassen.

Museumsnacht Dresden 2010

Wir haben uns dann einen schönen Sommerabend daraus gemacht und das Auto in der Nähe vom Zwinger abgestellt. Dann sind wir in aller Ruhe durch den Zwinger spaziert, haben die alten Meister und die Rüstkammer links bzw. rechts liegen lassen, und sind an der Semperoper vorbei in die Kathedrale marschiert. Dort war allerdings gerade Gottesdienst, so dass eine Besichtigung nicht möglich war.

Anschließend sind wir in die Buchhandlung gegenüber vom Schloss gegangen, die noch aufhatte und haben ein paar Karten gekauft. Schließlich gings ins Schloss. Dort haben wir die Eintrittskarten gekauft, die mit 9 Euro pro Person ziemlich günstig waren. Im Prinzip hätte man 51 Einrichtungen besichtigen können und wurde auch noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln umherkutschiert. Wir haben uns im Schloss das neue grüne Gewölbe, die türckische Cammer und den Hausmannsturm mit Münzkabinett angesehen. In der türckischen Cammer spielte ein Ensemble orientalische Musik, was natürlich besonders eindrucksvoll war.

Wir sind dann über die Elbterassen zum Albertinum und haben uns dort noch die alten Meister und das Skulpturenkabinett angesehen.

Ansonsten war die gesamte Atmosphäre sehr angenehm. Auch draußen waren zahlreiche kulturelle Angebote, Künstler, die mit Fackeln Kunststücke zeigten, eine Trommlergruppe und vieles mehr. Die Leute flanierten auf den belebten Straßen, es hatte bei der lauen Sommernacht fast südländisches Flair.

Obwohl auf der anderen Elbseite das Public Viewing aufgebaut war, hat man von der WM und dem Deutschlandspiel recht wenig bis gar nichts mitbekommen. Es gab anscheinend auch viele Leute mit begrenztem Interesse, jedenfalls bemerkte man die hupenden und fähnchengeschmückten Autos erst ziemlich weit außerhalb des Stadtzentrums.

Am Sonntag haben wir noch ein Angebot unseres Kinos genutzt und sind für einen Euro pro Person in einen harmlosen Film gegangen. Dort konnten wir etwa zwei Stunden im wohlklimatisierten Kinosaal verbringen, was bei der Wärme recht angenehm war.

Kurzes Wochenende

Das letzte Wochenende war zu kurz. Klar, jedes Wochenende ist zu kurz, aber das letzte ganz besonders. Denn wir hatten ziemlich viel Stress mit Urlaubsumbuchungen. Unsere ursprünglich geplante Reise nach Italien wurde mangels ausreichender Teilnehmerzahl storniert. Da war nun guter Rat teuer, weil wir ja exakt an den Zeitraum gebunden waren. Also wurde Petra im Reisebüro in die Spur geschickt und selbst im Internet geguckt. Und eine Reise nach Frankreich gefunden. Dummerweise war die aber ausgebucht. Aber Petra hat hier wirklich einen guten Job hingelegt. Während wir schon überlegten, nach England oder Skandinavien zu reisen und uns schon beinahe am Nordpol (Island) wieder gesehen haben, blieb sie hartnäckig dran. Sie stellte nach unzähligen Telefonaten fest, dass die Frankreichreise nicht ausgebucht, sondern nur blockiert war. Der Reiseveranstalter hatte selbst auch eine Reise abgesagt und zwecks Umbuchungen die Plätze blockiert. Da aber inzwischen alle Leute dort eine Umbuchung hatten, konnte die Reise wieder freigegeben werden und wir haben zwei Plätze ergattert.
Das hat viel Zeit gekostet und der restliche Einkauf den Rest des Samstags. Abends war dann kaum noch Zeit zum radeln.
Sonntag waren wir dann vormittags im Kino, es gab das Ballett „Giselle“. Und die Verfilmung, von 1968, war super und mit vielen tollen Effekten, wo man sich fragt, warum die heutzutage so viele Computertechnik dafür brauchen.

Am Nachmittag sind wir dann zum Sängertreffen in den Barockgarten Lichtenwalde gefahren. Und so war das Wochenende viel zu schnell rum.