Also AfD

Manche Schüsse gehen nach hinten los. Und ich glaube, die kürzlich erschienene Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland kann man dazu zählen. Als ich darüber in den Medien hörte, fragte ich mich nur, was das für ein Unsinn sein soll. Man hat es ja schon öfter gehört. Wir Ostdeutschen sind prinzipiell anfällig für Rechtsextremismus, weil wir zwei Diktaturen erdulden mussten und keinen Kontakt mit Ausländern hatten. Uns ist das alles fremd und Fremdes muss man ablehnen.

Mein Gefühl über methodische Schwächen der Studie wurde von den Autoren des sciencefiles.org-Blogs bestätigt und begründet:
https://sciencefiles.org/2017/05/18/der-rechtsextrem-fremdenfeindliche-ossi-junk-science-trifft-journalistische-ahnungslosigkeit/

Ich möchte mich hier nicht am Streit beteiligen, ob es der Studie an Wissenschaftlichkeit fehlt oder nicht, kann aber berichten, was so etwas bei mir anrichtet. Ja, ich gebe es zu, über diese Studie habe ich mich sehr geärgert. Insbesondere auch, weil ein von mir wirklich hochgeschätzter Kollege mit westdeutschen Wurzeln die Schlussfolgerungen so einfach nachplapperte.

Ich erinnere mich noch an meine Zeit in der DDR. Ich war evangelisch getauft, ging zur Jugendstunde und wurde konfirmiert. Grund genug, als Systemgegner zu gelten. Ich habe die Tribunale nicht vergessen, vor denen ich als Schülerin stand und ich mich für meinen Glauben rechtfertigen musste.

Was passiert, wenn man ständig stigmatisiert wird? Man wird anfällig dafür, sich tatsächlich in die entsprechende Richtung zu entwickeln. Damals fing ich tatsächlich an, das System zu hinterfragen, diskutierte in kirchlichen Jugendgruppen und ging 1989 demonstrieren. Das System wurde überwunden.

Und was passiert jetzt, fast 30 Jahre später? Ein déja-vu! Ich stamme aus Ostdeutschland, wohne in Sachsen, arbeite in Dresden, ergo bin ich Nazi.

In diesem Jahr habe ich ohnehin Probleme, welche Partei ich bei der Bundestagswahl wählen soll. Die letzten Male hatte ich grün gewählt, aber diese Partei befasst sich zur Zeit meiner Meinung nach mit den falschen Themen (siehe dazu auch z.B. dieses Interview: http://www.deutschlandfunk.de/gruenen-politiker-boris-palmer-wir-muessen-uns.694.de.html?dram:article_id=386275). SPD und CDU scheiden für mich insbesondere wegen der Spitzenkandidaten aus, die Linken wegen ihres Programms und die FDP ist außerhalb des Parlaments genau da, wo ich sie sehen möchte.

Zum Glück gibt es ja Wahlhilfe mit o.g. wissenschaftlicher Begründung und ich weiß jetzt, dass die AfD oder auch die NPD künftig meine Interessen vertreten.

Fake News

Der Daily Prompt, heute über Täglicher Themenvorschlag: Heard

Fake News sind in aller Munde. Ich habe gehört, dass … und dann kommt irgendeine Meldung, die nicht unplausibel klingt. Die Bundesregierung befürchtet sogar, dass Russland und andere Schurken unseren deutschen Wahlkampf mit gezielten Falschmeldungen, alternativen Fakten, wie es in unserem postfaktischen Zeitalter inzwischen heißt, beeinflusst.

Diese Gefahr wäre aus meiner Sicht sehr klein, wenn es den Parteien gelingen würde, mit überzeugenden Programmen zu punkten. Leider ist das bis jetzt nicht der Fall, es kommt sogar soweit, dass verzweifelte Wähler und Wählerinnen dazu aufrufen, irgend wen zu wählen, nur um noch Schlimmeres zu verhindern (siehe z.B. hier bei Antje Schrupp).

Aber die SPD hat ja einen besseren Dreh gefunden. Sie hat mit Martin Schulz einen neuen Heilsbringer gefunden. Inhaltlich habe ich noch nichts von ihm gehört, aber die Umfragen schnellen in die Höhe. So kann’s auch funktionieren. Aber ob das bis zum Wahltag reicht?

Ich bin nach wie vor unschlüssig, wen ich wählen soll. Oder ich mache den Stimmzettel ungültig. Das wäre mal was: Es machen so viele Leute ihren Stimmzettel ungültig, dass keine der anderen Parteien die 5 %-Hürde schafft …

Hätten Sie’s gewusst?

Nach dem Brexit machen sich zahlreiche Briten, die in anderen Ländern der EU, z.B. in Deutschland leben, Gedanken, wie es weiter gehen soll. Ungefähr 3000 wollen offenbar derzeit die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, damit sie weiterhin unbehelligt hier leben können.

Für EU-Bürger ist eine doppelte Staatsbürgerschaft kein Problem, solange sie bestimmte Voraussetzungen (z.B. Mindestaufenthaltsdauer) erfüllen. Sie müssen dazu auch einen  „Einbürgerungstest“ bestehen.

Ich hab’s mal erfolgreich probiert:

Wer’s mal ausprobieren möchte: hier geht’s zum deutschen Einbürgerungstest:
http://oet.bamf.de/pls/oetut/f?p=512:1

The question is whether I’m able to achieve british citizenship or not. Obviously, I’m not without errors, but finished succesful:

Here is the test
https://lifeintheuktests.co.uk/british-citizenship-test/

For me, this was not fully fair, because I read this test earlier in my english magazine Spotlight, which inspired me for this theme.

If you like to try harder, here is another test which was to long for me:
https://www.theuktest.com/

Schlafstörung

Das hätte ich ja nun wirklich nicht gedacht, was ich damit angerichtet habe. Ich meine meine Blog-Publicity-Promotion Sex Sells (beginnt hier). Die Zugriffe auf meine Seiten sind tatsächlich in die Höhe gegangen, aber das wollte ich hier gar nicht erwähnen.

Neben dem großen, insgesamt positiven Echo, das ich auf meine Beiträge bekommen habe, hat mir insbesondere der Beitrag Ganz am Anfang eine schlaflose Nacht bereitet. Mein Unterbewusstsein hat gearbeitet und mir verklickert, dass mein Sohn dieses Jahr so alt wird, wie ich damals war.

Jetzt kann ich mich ja damit rausreden, dass es damals noch andere Zeiten waren. Tiefste DDR-Zeiten. Und ich war jung und naiv, aber das ist mein Sohn jetzt ja auch. Ich bin da so rein gestolpert, es fing eigentlich alles ganz harmlos an.

Mit 15 war ich unbeschwert, wollte was erleben. Eine Freundin schleppte mich mit zu einer Bekannten von ihr zu deren Geburtstagsfeier. Der Vater von des Geburtstagskindes war Professor an der Uni. Die wohnten in einem großzügigen Einfamilienhaus am Stadtrand. Ja, auch in der DDR gab es vornehmere Wohngegenden.

Es war voll dort und laut und es gab viel Alkohol. Damit war ich überfordert, ich setzte mich etwas abseits und trank keinen Alkohol. Und dann setzte sich der große, siebzehnjährige Bruder vom „Geburtstagskind“ neben mich, hatte Verständnis für mich. Er sagte, dass es hier zu laut sei und dass die Musik nichts taugt, die seine Schwester hier dudelt. Und er erzählte mir von einer Band aus Köln, von der ich bis dahin nichts gehört hatte, BAP. Er hätte Platten von denen. Es war damals, 1988, wirklich nicht selbstverständlich, dass jemand in der DDR aktuelle Westplatten hatte. Ich ging mit ihm auf sein Zimmer, um die Lieder zu hören.

Natürlich war ich beeindruckt, auch die politischen Texte hatten es mir angetan. Und dann zeigte er mir seinen Schatz, sein musikalisches Juwel. Eine damals ganz neue Platte und das eine Lied hatte mich einfach umgehauen. Wir waren einer Meinung, dass es nicht einfach ein Lied ist, es ist ein WERK!

Wir saßen eng beieinander, studierten die Plattenhüllen und die beigelegten Heftchen und kamen uns näher. Er küsste mich und fing an zu fummeln. Ich zierte mich und ließ mich dann doch begrapschen. Ich fand ihn cool, damals sagten wir sowas wie fetzig, himmelte ihn an. Ein großer Junge, fast erwachsen. Nach seinem Hinweis, dass niemand hereinplautzen würde, da es sein Zimmer sei, entspannte ich mich. Mich würde wohl auch niemand vermissen, Mauerblümchen, dass ich auf der Party war.

Wir lagen dann schließlich nackt nebeneinander. „Aber nur streicheln!“. Er streichelte mich und es war wundervoll. Ich streichelte ihn und er genoss es, und dann kam er irgendwann. Eigentlich hätte dann Schluss sein können, aber er bot mir quasi als „Service“ an, mich nun doch noch zu entjungfern. Er behauptete, dass ja jetzt nichts mehr passieren könne, da er ja schon leer sei.

Nun ja, dumm wie ich damals eigentlich nicht war, habe ich das dennoch gern geglaubt. Ich nahm den „Service“ an, lernte aber, dass ein Mann auch mehrfach hintereinander kann. In dem Moment war ich damals ganz glücklich, ruhig schlafen konnte ich dann wieder nach meiner nächsten Regel.

Ich bin aber hoffnungsvoll, dass mein Sohn nicht so dumm ist, wie seine Mutter. Er wird sich nicht so über den Tisch ziehen lassen, oder ein Mädchen einfach so überrumpeln. Heute sind eben andere Zeiten.

RB Leipzig oder „Die Mauer und der Sieg des Geldes“

Einen Link zu einem interessanten Beitrag aus meiner Tageszeitung möchte ich hiermit weitergeben:

Es geht vordergründig darin um den erstaunlichen Erfolg von RB Leipzig in der Bundesliga. 

Aber insgesamt ist es eine Beschreibung einer Psychoanalyse der ostdeutschen Bevölkerung. Sehr lesenswert.

copyright Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)